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Die Ernte einfahren

Es ist Spätsommer. Gerade sind die Sonnenstrahlen zurück gekehrt und die goldene Sonne taucht die abgeernteten Felder in goldenes Licht.

Der graue Morgennebel der vergangenen Wochen und die Kühle der frühen Morgenstunden haben uns fühlen lassen, dass der Herbst vor der Tür steht. Für manch einen Betrachter scheinen die Felder leer auszusehen.

Dabei sind die Kornspeicher nun gut gefüllt und der Mais wird zu Futter verarbeitet. Die Fülle ist also immer noch da, auch wenn wir sie nicht sehen.

So ist es auch in uns: Wenn wir uns auf den Herbst und Winter vorbereiten, können wir reflektieren, was wir dieses Jahr im Frühjahr „gesäht“ haben und wo wir jetzt „ernten“ können.

Was hat uns die besondere Zeit des Lockdowns, der Verlangsamung des alltäglichen Lebens gelehrt? Welche Ängste und Zweifel kamen vielleicht hoch und durften angeschaut werden? Wie hat sich unser Leben im Kleinen und manchmal auch im Großen verändert?

Um unsere „Ernte“ einzufahren, anzunehmen was war und ist, brauchen wir allerdings ein offenes Herz.

Der Sommer bringt normalerweise Öffnung. Es ist eine Zeit der hohen Energie, die Sonne und die Urlaubszeit, die langen Nächte draußen mit Freunden und Familie gab uns Gelegenheit dazu, Gemeinschaft zu leben und  uns zu öffnen – der Freunde, der Feierlichkeit und der Liebe zum Sein. Auch wenn es in diesem Jahr 2020 etwas anders war als sonst, finden wir solche Momente, wenn wir es zulassen. Wir nähren unser Inneres Kind, in dem wir im Urlaub Zeit genießen, Auftanken und uns der Schönheit des Lebens öffnen, vielleicht unter einem Baum in ein Buch versinken, dass wir schon lange lesen wollten, mit den Kindern im Pool plantschen oder abends mit Freunden am Lagerfeuer Stockbrot grillen um später in Stille den Sternenhimmel zu beobachten, dem Glimmen der Glühwürmchen folgen und uns Geschichten von Feen und Elfen ausdenken.

Wir setzen im Sommer immer die Routine ein bisschen aus, wenn wir frei haben. Schlafen spät und lange, nutzen den heißen Tag für Müßiggang und die Nacht mit ihrer kühlen Brise für Abendspaziergänge im Wald.

Auch schon im Sommer ernten wir, naschen von Tomatenstäuchern im Beet und vor allem die vielen wunderbaren Beeren von den Büschen im Garten.

Wenn wir so intensiv mit der Natur leben, sind wir mit ihr mitten im Wandel der Jahreszeiten. Dieser Fluss des Lebens lehrt uns nicht nur mit der Natur draußen, sondern auch mit den Veränderung in und um uns leichter umzugehen. Wir lernen, dass wir nichts festhalten können, denn Starre verhindert das Leben.

Deshalb ist es auch wichtig, bewusst im Außen die Ernte einzufahren. Entweder aktiv, indem wir zur Zeit reifes Obst pflücken um es zu leckeren Kuchen oder Saft und Marmelade zu verarbeiten oder einfach passiv, indem wir uns bei den Spaziergängen in der Natur genau umsehen und ihre Fülle bewundern. Wenn wir schätzen, was um uns geschieht, öffnen wir uns diesem Reichtum.

Wir sehen, wie das erste Laub sich verfärbt und fällt. Wie die Felder abgeerntet brach liegen, aber wir schmecken die Süße der Früchte auf den Lippen und wissen insgeheim um die prall gefüllten Speicher bei den Bauern im Dorf.

Eigentlich habe ich dieses Jahr keine Lust, mein Obst auf der Streuwiese hinter dem Haus zu ernten und zu verarbeiten. Ich mag es lieber mit den Kindern hier herum zu streunen, hier und da einen Apfel und eine Birne zu pflücken und sie sofort zu essen. Das Fallobst wird schon in der Abendsonne eifrig von den wilden Rehen verspeist.

Aber ich spüre eine tiefe Dankbarkeit für diesen Reichtum hier an den Bäumen und pflücke dann doch Quitten, Äpfel und Birnen. Je mehr sich die Säcke füllen, die später zu Saft werden, den wir dann das Jahr über trinken, desto stärker wird meine Dankbarkeit für den Kreislauf des Lebens und dass diese Bäume hier uns so gut nähren. Ich empfinde immer mehr Freude, diese wunderschönen Früchte zu befassen und zu riechen. Ich möchte teilen, das sagt mir mein Herz. Also bringen meine Kinder in den nächsten Tagen Obst aus dem Garten mit in den Kindergarten und die Schule. Ich stelle einen Korb für meine Kollegen bereit und lade meine besten Freunde ein zu süßem Flammkuchen mit Quitte.

So überhängend wie die rot-grünen Äpfel am Baum ist meine überschäumende Freude und das Glück, dass ich dabei empfinde. Ja, ich habe das Gefühl, die „Ernte“ einzufahren. Ich sehe, wer und was mein Leben füllt und mein Herz ist der Speicher, der all´ diese guten Gaben in sich trägt für graue, triste Tage im Spätherbst oder Winter.

Alles ist im Wandel und wir sind mittendrin. Wenn wir die Natur betrachten, die Jahreszeiten und ihren Wechsel bewusst erleben, vielleicht sogar feiern so wie es viele Kulturen mit ihren Brauchtümer immer getan haben und Gruppen auch heute noch tun, dann finden wir einen Platz in der Welt, der uns Halt gibt, uns erdet und eine starke Basis bildet.

Dann können uns Stürme, so wie die Krisen unserer Zeit vielleicht weniger erschüttern.

Wie können wir das heute konkret umsetzen? Wir können einen Jahreszeitentisch einrichten mit den Früchten der Saison, den Schätzen, die uns die Natur schenkt oder die wir gesammelt haben. Das ist eine wunderbar achtsame und meditative Möglichkeit, sich den Wandel und der Fülle bewusst zu werden. Nicht nur für unser Kinder sondern auch für unsere Inneren Kinder wird so visuell unser „Speicher“ aufgeladen, es wird mit allen Sinnen erlebt.

Vielleicht schenken wir uns selbst auch einfach Zeit, indem wir einen Spaziergang in Stille wahrnehmen und dabei ganz offen werden, die Natur durch unsere Sinne wahrzunehmen und mit jedem Schritt bewusst zu danken und unser Inneres zu „füllen“.

Das Einmachen von Obst und Gemüse, die prall gefüllten Regale im Vorratsraum oder der Strauß mit Kräutern, Wiesenblumen oder Ästen in der Vase erinnern uns daran, wie reich uns die Natur, besonders hier im ländlichen Raum des Saarlandes beschenkt.

Viele Rituale gibt es, die dazu einladen und ich finde es immer noch am besten, seine eigenen zu finden oder zu kreieren und so authentisch die „Ernte“ zu feiern.

Welche Impulse hast du für den Wandel der Jahreszeiten? Wie fährst du die Ernte ein, verbindest dich so mit dir, dem Leben und dem Ganzen?

Herzlichst, deine Kirsten 

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