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Ein Kindergartenkind in Quarantäne – Teil II

„Ich bin frei!“, ruft der Bub freudig und streckt seine Arme in den grau-blauen Herbsthimmel. Er jubelt und tanzt draußen auf der Straße vor dem Haus herum, denn genau da durfte er die letzen Wochen nicht sein.

Wir waren 2 Wochen zusammen Zuhause in der Quarantäne. Über den Start der Quarantäne habe ich im letzen Artikel geschrieben und heute wollte ich euch davon erzählen, wie es uns allen in den 2 Wochen so ergangen ist, welche offiziellen Anordnungen wir umsetzen mussten und wie wir emotional und kreativ diese Zeit überstanden haben.

Zuhause leben wir zu Viert, meine 3 Söhne und ich, also ihre alleinerziehende Lehrer-Mama. Nachdem ich mit meinem Chef die nötigen Absprachen getroffen hatte, wie ich in der Zeit im Home-Office arbeiten kann und alles erstmal anlief, merkten wir im Alltag, wie schwer es ist, wenn EIN Kind von DREIN immer Zuhause bleiben soll.

Erinnert ihr euch noch an Teil I der Quarantäne? Nein, dann klickt hier:

https://kirstenkirsch.blog/2020/09/25/ein-kindergartenkind-in-quarantaene/

Dass es mit der Distanzierung der Geschwister nicht so realistisch umsetzbar war, habe ich euch ja schon anschaulich beschrieben. Aber was, wenn ich die Großen zum Bus fahre, weil sie mal wieder zu spät sind oder ich zwischendrin kleine Einkäufe erledigen muss? Ich lasse meinen Fünfjährigen nicht alleine Zuhause und wenn, dann nur um in den Garten zu gehen oder mit meiner Untermieterin im gleichen Haus einen Tee zu trinken. Also packte ich ihn ins Auto und stattete das mit Büchern und einer Snack-Box aus. Ich zählte das Auto während der Quarantäne jetzt einfach mal zum Haus dazu, quasi als eine Art Verlängerung. Und so musste N. einfach immer mit, wenn die Großen einen Termin hatten oder ich in die Bäckerei sprang. Er wartete dann im Auto und beschäftigte sich. Ich achtete natürlich darauf, dass es immer nur wenige Minuten waren und ich war froh, dass das Wetter mitspielte in diesem verregneten Herbst, denn es war nicht zu warm im Auto.

Am zweiten Quarantänetag war die erste Testung. Diese wurde im Kindergarten durchgeführt. Wir hatte einen Termin und nach weniger als 5 Minuten war alles erledigt. Die netten Damen in „Raumanzügen“ waren sehr sympathisch und N. sehr stolz, dass er den Test so gut aushalten konnte. Immerhin „popeln die da ja mit einem Stäbchen in der Nase und im Hals herum“, so sein O-Ton! Er war auch erleichtert, dass sie zuerst in den Mund und dann in die Nase gingen. „Sonst wäre das ja voll iih gewesen!“, meinte er danach.

Zwei Tage später, an einem Sonntagnachmittag kam der Anruf des Gesundheitsamtes, dass der Test negativ sei. Aber die Quarantäne blieb natürlich bestehen, da sich innerhalb von 2 Wochen noch Symptome zeigen könnten. Deshalb rief das Gesundheitsamt täglich an und erkundigte sich, wie es dem Mini ging. Diese Anrufe waren sehr sympathisch und wir haben uns sehr gut betreut gefühlt. Auch das Ordnungsamt hatte mit uns Kontakt und wir bekamen die Anordnung zur Quarantäne mit den Durchführungshinweisen persönlich zugestellt. Das war auch gut so, denn ich stellte sofort die Frage, wie es mit Kindern wäre, die ja bei Trennung der Eltern und geteiltem Sorgerecht in zwei Haushalten lebten. Der zuständige Sachbearbeiter rief mich daraufhin wenig später an und bestätigte, dass mein Sohn sich während der Quarantänezeit auch im Haushalt des Vaters aufhalten dürfte. Das war nicht nur für die Beziehung von Vater und Sohn besonders wichtig, sondern auch für mich als Mutter, denn ich brauche diese kleinen Auszeiten um Kraft zu schöpfen und meine liegengebliebenen Verpflichtungen aufzuarbeiten.

Die offizielle Anordnung des Ordnungsamtes ist sehr ausführlich und sagt genau, was mein Sohn machen darf, beziehungsweise, was er alles nicht machen darf. Er soll das Haus nicht verlassen und wir dürfen keinen Besuch empfangen. Die Ausnahme bildet allerdings die Zeit bei seinem Vater und auch die Fahrten zur Testung.

Nachmittags fuhren der große Bruder und seine Freunde mit den Fahrrädern auf der Straße vor dem Haus und es war lautstark zu hören. Der Kleine klebte mit seiner Nase an der Scheibe und wollte unbedingt mit machen. Wir spielten zwar im Garten und er durfte auch dort und in der Einfahrt des Grundstückes Fahrrad fahren, aber ich ließ ihn nicht zu den anderen Kindern. Als ich zum Kochen hinein ging, sah ich ihn aber immer wieder seine Grenzen austesten und zur Straße hin fahren. Er wollte einfach dabei sein, so wie immer und es viel ihm sehr schwer, sich da zusammen zu reißen. Solche Situationen gab es immer wieder, da es ihm schwer viel, wenn er nicht Freude strahlend dem Postboten die Tür öffnen durfte und auch nicht mal kurz hinunter zu den Untermietern „Hallo“ sagen.

Viele liebe Menschen aus unserer Familie und dem Freundeskreis riefen ihn in er Zeit an und schickten Sprachnachrichten zur Ermunterung, die ihm auch zeigen sollten, dass er nicht alleine ist. Das hat ihm jedes Mal ein großes Lächeln auf sein Gesicht gezaubert und ihn auch entlastet, wenn er erzählen konnte, dass er ja in Quarantäne sei und was das alles für ihn bedeutet. Darüber zu reden, immer wieder und mit unterschiedlichen Personen tat ihm gut. Ich denke, das war unter anderem eine unbewusste Strategie für ihn, die Situation zu verarbeiten.

Eine weitere wichtige emotionale Stütze für ihn war viel körperlicher Kontakt mit mir als Mutter. Ich merkte, dass er viel häufiger und ausgiebiger mit mir kuschelte und er so auftankte. Eines Tages fragte er mich allerdings, ob wir jetzt eine „Kämpf-Zeit“ machen könnten, denn er vermisste das Raufen in Kita und mit den Brüdern wohl sehr. So ein Fünfjähriger hat nun einmal eine enorme Energie und muss seinen Körper auch in einer Art „Rauferei“ in Aktion immer wieder spüren. Außerdem ist die körperliche Aktivität ein wichtiges Ventil, um Anspannung los zu lassen und emotionalen Druck zu verarbeiten. Gut, da ich unter Jungen aufgewachsen bin, habe ich nichts gegen kleine Kämpfchen und dann wird halt im großen Bett eine Runde gerungen. Aber mein Sohn hat mit seinen 5 Jahren schon enorme Kräfte und eine unglaubliche Wendigkeit, da sehe ich als Vierzigerin etwas alt aus. 😉

Täglich kam vom Kindergarten eine „Kreativ Mail“ mit Grüßen und Ideen für die Kinder. Das regte uns an, unsere Morgenroutine darauf einzustellen und zusammen die „geschenkte“ Zeit ausgiebig zu nutzen. Und das ist eine weitere wichtige psychologische Methode für kleinere Kinder, mit belastenden Situationen umzugehen, in dem sie im Tun und Machen in den kreativen Prozess eintauchen und ihre Sorgen eine zeitlang vergessen oder sogar durch kreative und spielerische Phasen die Belastung emotional und mental verarbeiten.

Die Quarantäne-Zeit wurde unsere Mama-Sohn—Zeit! Wir bauten mit Bausteinen, tauchten ein in die Welt der Zahlen (mein Vorschulkind ist da ganz heiß darauf) und richteten uns eine Kreativ-Ecke im Wohnzimmer ein. Das führte dazu, dass es in diesen Tagen merklich chaotischer im Haus war und wir teilweise unseren Esstisch nicht mehr zum Essen nutzen konnten. Aber auch die Großen fanden das klasse! Wenn sie von der Schule kamen, stützten sie sich auf unser Bauwerke oder schnappten sich Farbe und Papier. In dieser Zeit entdeckten wir viele neue Aktivitäten zusammen.

Ich liebe es, wenn wir zusammen kochen und backen. Das gehörte von nun an in dieser Zeit wieder zu unseren täglichen Ritualen, wie auch im Lockdown im Frühjahr schon.

Außerdem haben wir ja das Glück, einen großen Garten zu haben und da gerade Erntezeit ist, verbrachten wir alle regenfreie Zeit draußen beim Sammeln und Schätze suchen.

Nach der zweiten Testung im Gesundheitsamt und einem weiteren negativen Testergebnis, startete gestern der Kindergarten wieder und ich bin seitdem wieder vor Ort in der Schule im Einsatz. Mein Sohn freute sich über die positive Nachricht, dass er wieder hinaus zum Spielen, zu seinen Freunden und zu allen Familienmitgliedern darf. Er hatte sich wirklich manchmal förmlich „eingesperrt“ und „eingeschränkt“ gefühlt. Sein strahlendes Gesicht und der Ausruf: „Ich bin frei!“, zeigten uns als Eltern erst am Ende das Ausmaß der Belastung, die auf seinen Schultern lag.

Auf den Kindergarten freute er sich allerdings nur halb, denn er hat offensichtlich die exklusive und intensive Zeit Zuhause mit Mama genossen. Unsere Beziehung hat sich dadurch nochmals intensiviert und wir hatten wunderbare Momente zusammen und haben diese voll ausgeschöpft. Ich fühle mich genährt von dieser Zeit mit meinem Kind und nehme einen reich gefüllten inneren Schatz mit in den neuen-alten Alltag. 

Ich hoffe, mein Nachtrag zu unserer Quarantänezeit mit Kindern hat euch inspiriert oder auch abgeholt, wenn es euch so ähnlich ging. Mich machen gerade die steigenden Zahlen etwas nachdenklich und ich hoffe, dass es uns mit 3 Kindern nicht wieder oder noch öfters erwischt, denn auch wenn ich die Zeit mit den Kindern intensiv genieße, so ist mir mein Beruf auch wichtig und ich möchte einfach meinen Teil zur Gesellschaft ganzheitlich leisten. Toi, toi! Und bleibt gesund, lebt euer authentisches Selbst!

Herzlichst, eure Kisten

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