Allgemein, Authentisch leben & erziehen, Entfaltung, Jugendliche begleiten, Lehrer sein, Schule

Jugendliche authentisch begleiten – Teil 2 Begleiten statt erziehen

EIN LEUCHTTURM SEIN

Wächst eine Pflanze schneller, wenn ich daran ziehe? Welche Faktoren braucht es, damit Kinder und Jugendliche gesunde, starke Persönlichkeiten werden und ihren Platz in der Welt finden? Sind wir wirklich der Meinung, dass der Begriff der Erziehung heute noch angemessen ist? Ebenso stelle ich den Begriff des Lehrens in Frage! Ursprünglich waren beide Begriffe in der Beschreibung meiner Arbeit und in den Artikeln auf meinem Blog zu finden. Authentisches Lehren und authentisches Erziehen mündet für mich in das authentische Begleiten. 

Ich sehe die Beziehungen mit den Menschen nicht mehr hierarchisch, sondern linear. Egal wie alt ein Mensch ist, ob er sehr jung ist oder ein vorangeschrittenes Alter hat, es steht mir in meinem Weltverständnis und meiner pädagogischen Weiterentwicklung nicht zu, ihn zu manipulieren, sein Wachstum in sofern zu verändern, wie es vielleicht gegen seinen inneren Kern wäre.

In der Zusammenarbeit mit Jugendlichen spielt diese Haltung eine besondere Rolle, denn selbst, wenn das Konzept der Erziehung durch ein System von Regeln und Vorschriften, die von den Erwachsenen vorgegeben werden, vorherrscht, kann diese nur für beide Seiten funktionieren, wenn wir den jungen Menschen nicht „von oben herab“ diktieren.

Sondern wir begegnen uns auf der Ebene von Mensch zu Mensch. Und diese Ebene ist für mich linear!

Natürlich haben wir in der Beziehung zu den Jugendlichen unterschiedliche Aufgaben, die wir wahrnehmen als Eltern, Lehrer beziehungsweise als Bezugspersonen jeglicher Art. Aber um wirklich in Kontakt miteinander zu treten, sollten wir offen sein für den Anderen – vorbehaltlos.

Begleiten statt erziehen, Kirsten Brandt 2022

Einige Fragen helfen uns auf dem Weg zum authentischen Begleiten:

  1. Wer bin ich? Wer reagiert und aus welcher Rolle heraus agiere ich?
  2. Was ist meine Aufgabe als „Erzieher/in“, „Lehrer/in“ oder auch Elternteil in Bezug auf Jugendliche?
  3. Was braucht die jugendliche Person von mir?
  4. Was kann ich tun?

Diese Fragen werde ich in den Kontext eines Bildes stellen mit der Idee:

„Laßt uns Leuchttürme sein im Leben der Jugendlichen mit denen wir leben oder arbeiten!“.

  1. Wer bin? Wer reagiert und aus welcher Rolle heraus agiere ich?

Das heißt, dass ich als erwachsene Person eine eigene Präsenz brauche und mich selbst zum Einen gut kennen sollte, aber auch bereit bin, mich selbst weiterzuentwickeln und an meinen eigenen Themen zu arbeiten. Wenn wir in Situationen sehr emotional werden, handeln wir vielleicht aus einem verletzten inneren Kind oder inneren Teenager heraus und sind nicht in unserem „gesunden“, „heilen“ Erwachsenen-Ich. Wenn wir immer wieder in extreme Situationen geraten, könnten wir uns selbst fragen, was uns der Kontakt mit dem Jugendlichen spiegelt und was das mit uns selbst zu tun hat. Oft erhalten wir dann Hinweise und vielleicht Antworten für unsere eigene Persönlichkeitsentwicklung.

2. Was ist meine Aufgabe als „Erzieher/in“, „Lehrer/in“ oder auch Elternteil in Bezug auf Jugendliche?

„Da“ sein, präsent sein und Angebote bereit halten / machen, sowie die Tür zur Kommunikation offen halten, auch wenn es schwierig wird. Das heißt für uns Erwachsene auch, dass wir daran arbeiten, authentisch und innerlich gefestigt zu handeln, damit wir dieser Aufgabe gerecht werden können. Wenn wir selbst alte Verletzungen aus der eigenen Kindheit und Jugend in uns tragen oder innerlich noch nicht fest im Leben stehen, werden wir hier wahrscheinlich immer wieder sehr gefordert werden. Die Angebote, die ich mache (in der Schule ist damit für mich der Lernstoff und die Aufgaben gemeint), müssen nicht vom Jugendlichen angenommen werden. Den Weg gehen und zum Beispiel lernen, müssen sie selbst! Ich kann hier nichts erzwingen und Druck führt dazu, dass der Prozess der Entwicklung abbricht. Alleine schon deshalb, weil Lernen nachhaltig im Gehirn nicht stattfinden kann, wenn es durch Gefühle wie Angst oder Ohnmacht erzwungen wird. Stress und die Hormonausschüttung die damit einhergehen (z.B. Cortisol) verhindern, dass Verknüpfungen in den Arealen des Gehirnes entstehen.

3. Was braucht die jugendliche Person von mir?

Wenn die Basis des Vertrauens stimmt und ich „da bin“, dann kann ich reagieren, wenn ich dazu eingeladen werde. Das heißt, ich warte, bis ich gefragt werde und einen klaren Auftrag erhalte. Erst dann darf ich helfen und meine Lösungsvorschläge einbringen. Sonst behindere ich den inneren Prozess, den ein Mensch auf dem Weg des Erwachsenwerdens durchlaufen muss. Außerdem stehe ich authentisch zu mir selbst und meinen Werten. Somit kann ich ein Vorbild sein und die andere Person kann sich an mir orientieren oder „reiben“ und ihre eigene Rolle, Werte und Vorstellungen so überprüfen oder finden.

4. Was kann ich tun?

Ich kann Vertrauen in den Menschen und in seinen inneren Prozess der Entfaltung entwickeln und einen geschützten Raum geben, in dem ich als Begleiter bereit bin, zur Seite zu stehen, wenn ich gebraucht und gefragt werde.

Ein Leuchtturm sein, Kirsten Brandt 2022

Das auszuhalten ist oft herausfordernd, aber es lohnt sich, denn unsere Gesellschaft braucht verantwortungsbewusste und handlungsfähige Menschen. Beides kann nur entstehen, wenn die Person den Raum zum eigenen Wachstum bekommt und wir die Ressourcen zwar zur Verfügung stellen, aber die Jugendlichen selbst entscheiden lassen, was sie wann und wie nutzen. Das darf auch mal holprig sein und schwer.

Je mehr wir als bewusste, authentisch lebende und handelnde Erwachsene die Jugendlichen begleiten, desto einfacher fällt es allen Beteiligten. Gemeinsam schaffen wir ein Feld, in dem Entwicklung- und Wachstumsmöglichkeiten liegen.

Deshalb liebe ich meine Arbeit mit Jugendlichen im schulischen Kontext. Ich entwickle immer mehr die Kompetenzen, die ich brauche, um ein guter Leuchtturm zu sein, der stark im Leben steht, leuchtet und Orientierung bietet auf dem Boden der Liebe.

Erhellst du zusammen mit mir den Weg?

Herzlichst,

Kirsten Brandt

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